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  1. 2021 Installation at Kunstraum ArsAvanti (Leipzig)/ Group-Exhibition "Nischen-Kosmos"site fencepaintscreenh: 230cm w: 400cm

    2021

    Installation at Kunstraum ArsAvanti (Leipzig)/ Group-Exhibition "Nischen-Kosmos"
    site fence
    paint
    screen
    h: 230cm w: 400cm

    filmstill 3D-AnimationSingle-channel videoduration: 2,30 minlooped

    filmstill

    3D-Animation
    Single-channel video
    duration: 2,30 min
    looped

    2021 Installation at Kunstraum ArsAvanti (Leipzig)/ Group-Exhibition "Nischen-Kosmos"site fencepaintscreenh: 230cm w: 400cm

    2021

    Installation at Kunstraum ArsAvanti (Leipzig)/ Group-Exhibition "Nischen-Kosmos"
    site fence
    paint
    screen
    h: 230cm w: 400cm

    filmstill 3D-AnimationSingle-channel videoduration: 2,30 minlooped

    filmstill

    3D-Animation
    Single-channel video
    duration: 2,30 min
    looped

    • 1

      2021

      Installation at Kunstraum ArsAvanti (Leipzig)/ Group-Exhibition "Nischen-Kosmos"
      site fence
      paint
      screen
      h: 230cm w: 400cm

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      filmstill

      3D-Animation
      Single-channel video
      duration: 2,30 min
      looped

    Die Arbeit Kulturelles Eigenheim 1B entstand im Rahmen der Eröffnungsausstellung Nischen-Kosmos der Industriekulturtage 2021 in Leipzig.

    Das Eigenheim ist eine Kategorie, die für Kulturschaffende jeglicher Art eine Fiktion darstellt. Es steht außer Frage, dass sich kaum einer/eine jemals in der finanziellen Lage befinden wird ein solches zu erwerben. Die meisten stehen eher an der untersten Schwelle der Wohnungshierarchie. Sie können sich gerade so ihre Unterkunft leisten, vielleicht noch einen Arbeitsraum.

    Doch die räumlichen Möglichkeiten, die wenigstens diese Randexistenzen ermöglicht, schwinden von Tag zu Tag. Atelierplätze, Proberäume, Studios, Gemeinschafts-Werkstätten, Offspaces, Clubs und Vereinsräume werden zunehmend aus der innerstädtischen Struktur verdrängt. Genauso sieht es aus mit bezahlbarem Wohnraum für die vorwiegend gering verdienenden, bzw. an der Armutsschwelle lebenden Kreativschaffenden. 

    Der Mietespiegel steigt rasant, und Leipzig ist ein lukratives Pflaster für Immobilienspekulation geworden. Kaum eine Freifläche, die noch nicht verbaut wurde; kaum eine Altbausubstanz, die nicht saniert und zu exorbitanten Preisen in Häppchen an Einzelpersonen als Eigenheim verkauft wird. 

    Man kann also eher sagen, dass das Eigenheim einen dystopischen Charakter hat. Es führt zu Frust, Perspektivlosigkeit und damit verbunden vor allem zu Zukunftsängsten.

    Das Projekt Kulturelles Eigenheim 1B stellt eine Persiflage dieser Problematik dar. 

    Ein frei stehendes Bauzaun-Segment bildet hier das Grundgerüst. Auf einer Baustelle hat dieses nur den Sinn einer Schutzmaßnahme. Für den*die gentrifizierte*n Kulturschaffende*n ist es jedoch ein ab- bzw. ausgrenzendes Element; eine Barriere, die nur zu deutlich darauf hin verweist, das wieder ein Ort/eine Nische verloren ist. 

    Am Zaun ist ein Screen montiert, der die Animation einer kleinen, sonderbaren Hütte am Rande eines Feldweges zeigt. Ein überdimensionales Leuchtschild, welches an ein amerikanisches Motel-Sign erinnert, bewirbt das kleine Gebäude. Im Hintergrund: Autobahngeräusche. 

    Die Silhouette der Landschaft lässt recht leicht erkennen, um welchen Ort es sich handelt: Zwischen Autobahn, Müllhalde und dem Kraftwerk Lippendorf steht die kleine Unterkunft. Hier sind all jene Elemente vereint, die eine Stadt zwar braucht, um zu existieren; die aber schlussendlich niemand im eigentlichen Stadtbild sehen will. Ein groteskes Szenario. 

    Die entwurzelte Kultur trifft auf einen entwurzelten Ort.

    Die Frage, die sich hier stellt ist nicht nur, wie wir mit der Bau-Substanz der Siedlungs- und Industriebauten umgehen, sondern auch mit deren Nutzung. Ist hochpreisiges Wohnen und Profitmaximierung der einzige Inhalt der zukünftigen Stadtstruktur (mit Ausnahme der geförderten größeren Kultur-Instanzen)? Oder ist es nicht notwendig auch weiterhin Nischen zu ermöglichen, die die initiative Kulturszene erhalten? Denn schließlich ist dieser besondere Kosmos einer der Hauptfaktoren, die Leipzig zu seinem Image und zu einer weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Lebensqualität verholfen hat. 

    Wie wird eine Stadt aussehen, in der Kultur nicht mehr existieren kann? Wenn jene Menschen, die abseits von Medien und Politik hinausgehen und die Stadt bespielen, die freimütig Fragen stellen, die Missstände der Gesellschaft visualisieren und den einzelnen aus seinem alltäglichen Trott herauskitzeln hier nicht mehr leben und arbeiten können. Wie wirkt sich dies auf das Stadtbild und die Lebensqualität für jede*n Einzelne*n aus? Möchte man in solch einer Stadt wohnen? Ist Kultur nicht existenziell?

    Hat nicht gerade die Coronakrise uns auch mehr als deutlich vor Augen geführt, wie groß unser Bedürfnis nach der Begegnung mit Kultur ist?

    Meine Arbeit und Industriekultur:

    In meiner Arbeit liegt mein eigentlicher Hauptfokus auf dem Verhältnis von Mensch und Natur und den daraus resultierenden Problemen der heutigen Zeit. 

    Die Industrialisierung und ihre Prozesse sind hier ein maßgebender Schlüsselfaktor. Mit ihr änderte sich der allgemeine Zeitgeist, der mit der Erschließung neuer Techniken und Produktionsabläufen einhergeht. Fortschritt und Wachstum wurden identitärer Bestandteil des menschlichen Denkens; bis heute.

    Die Industriekultur, sei es als Architektur, Artefakt oder Landschaft, sind wichtige Zeitzeugen, die eben jene Geschichte dieser Entwicklung erzählen. Es ist die Faszination über unsere eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten, die sich bei vielen einstellt, wenn sie ein solches Bauwerk oder Artefakt sehen. Aber diese Dinge erzählen auch, wie es zu den Problemlagen der Gegenwart kommen konnte, und ebenso von den schon damals vorhandenen und oft bekannten Kehrseiten des rasanten Wachstums. 

    Anhand der Industriekultur wissen wir, wie wir unsere natürliche wie auch soziale Umwelt in der Vergangenheit geformt haben. Und es folgt unweigerlich die Frage wie wir unsere Zukunft gestalten werden?